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Vitamin E der klassische Fall

Vitamin E ist der klassische Fall, der uns zeigt, was man mit künstlichem Vitaminersatz falsch machen kann. Los gehts schon mit dem Namen: "Vitamin E" wird gleichgesetzt mit "Tocopherol" (beispielsweise heute noch im Wikipedia Namen). Vitamin E besteht aber aus acht verschiedenen Isomeren, vier Tocopherole und vier Tocotrienole. In biologischen Systemen kommen die acht Isomere gleichzeitig vor.

Lange Zeit ging man davon aus, dass für den Menschen nur alpha-Tocopherol wichtig ist, weil nur für dieses Isomer ein Transport-Protein (TTP) existiert und der Mensch nur alpha-Tocopherol über längere Zeit speichert. Auch unter Ernährungsexperten wurde nur alpha-Tocopherol als das "gute" eingestuft.

Es hat sich aber herausgestellt, dass die verschiedenen Isomere (alpha,beta,gamma,delta, und Tocotrienole) durchaus verschiedene Aufgaben erfüllen, die sich in ihrer Funktion nur überschneiden. Vor allem gamma- und delta- Isomere steuern wichtige Signalfunktionen im Körper, nämlich NF-kappaB, das von entscheidender Bedeutung ist für Entzündungsgeschehen und Krebskrankheiten.

Dementsprechend sind auch Studien, die die Schutzwirkung von "Vitamin E" bei Krebs belegen sollten, hoffnungslos gescheitert. Die großangelegte SELECT-Studie (an 35000 Personen) ergab 17% mehr Krebsfälle durch Verwendung von "400 IU" alpha-Tocopherol. Eine Metastudie, die andere Vitamin E Studien zusammenfasste ergab eine etwas erhöhte Gesamtsterblichkeit ab 400 IU Vitamin E. Das hat Nahrungsergänzungen allgemein und speziell Vitamin E eine schlechte Presse beschert. Auch die Fernsehsendung "Die Vitaminfalle" verwendet viel Zeit um Vitamin E Nahrungsergänzungen zu kritisieren. Warum das alles?

In all diesen Studien wurde ausschliesslich alpha-Tocopherol verwendet (überwiegend auch noch eine synthetische Variante). Große Mengen alpha-Tocopherol (wie sie in herkömmlichen Nahrungsergänzungen üblich sind) verdrängen aber die anderen wichtigen Isomere. Wer alpha-Tocopherol zu sich nimmt, beraubt sich gleichzeitig an den wenigen anderen Vitamin E Isomeren, die in der Nahrung vorhanden wären. Vor allem an gamma- und delta-Tocotrienol, für das eine aktive Anti-Krebs-Wirkung und Entzündungshemmung belegt ist.

Wie konnte man auch dazu kommen, dass von acht überall vorkommenden Vitamin E Molekülen nur eines wichtig wäre? Wieso sollten biologische System sich die Mühe machen acht verschiedene Vitamin E Isomere zu erzeugen, wenn nur eines wichtig wäre? Was für eine Hybris.

Was tun?

  • Keine Nahrungsergänzungen mit alpha-Tocopherol einnehmen, besonders nicht die synthetische Variante "all-rac", die unwirksame fehlgeformte Moleküle beinhaltet.
  • Vitamin E aus natürlichen Quellen beziehen, das sind insbesondere Pflanzenöle (Olivenöl, Weizenkeimöl, Traubenkernöl, rotes Palmöl). Auch die natürlichen Pflanzenöle sind aber oft von alpha-Tocopherol dominiert (es ist das langlebigste). Traubenkernöl und rotes Palmöl (und einige seltnere andere) sind dagegen durch die kurzlebigeren aber viel aktiveren Tocotrienole in den höheren Isomeren gamma,delta) dominiert.
  • Natürliche Extraktionen nutzen. Da Vitamin E tatsächlich einen wichtigen Schutz vor der Entgleisung von Entzündungen und Krebs darstellt, ist es sinnvoll davon mindestens für den Tagesbedarf zu sorgen. Glücklicherweise stehen dafür Extraktionen aus natürlichen Quellen relativ preiswert zur Verfügung.

Wofür Vitamin E?

Vitamin E ist seit den 1920er Jahren bekannt geworden, als unersetztlicher Faktor bei der Reproduktion. Später wurden die Funktion als Antioxidans an den Zellmembranen, die höheren Isomere sowie die Tocotrienole entdeckt.

Seit den 1980er Jahren entstand eine rege Forschungstätigkeit über Tocotrienole, die eine Reihe unerwarteter Eigenschaften aufweisen, darunter Krebsbehandlung und Behandlung entzündlicher Krankheiten.

Interpretation der Studienergebnisse

Die erstaunlichen Studienergebnisse mit den höheren Vitamin E Isomeren legen vor allem eines nahe: In der Lebensweise der heutigen westlichen Gesellschaft herrscht eine unnormale Erhöhung von Entzündungsparametern, Cholesterinproduktion und Krebsanfälligkeit vor, die alle auf eine unnormale Erhöhung des Transkriptionsfaktors NF-kappaB zurückgeführt werden können. NF-kappaB wird durch oxidativen Stress (freie Radikale, ROS) in jeder Art von Körperzelle aktiviert und kann durch Tocotrienol-Vitamin E normalisiert werden.

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